Folkiger Rundbrief Nr. 2026-1 (04.06.2026)
CD-Rezension: Cara. Our ship is ready
Hi Folks,
neulich bekam ich die neue Cara-CD als Download zugeschickt. Da sie im folker schon einen anderen Rezensenten hat, nutze ich dieses Medium hier, ein paar Zeilen zu der CD - die es natürlich auch in physischer Form gibt - zu schreiben. Das mache ich dann mal anders, als ich es im folker mache:
Cara. Our
ship is ready.
Artes-Records 2026, mit Fotos und engl., Infos und Texten
Ich hörte mir das Album zunächst an, ohne zuvor in das schön
gestaltete, englische Infos und alle Texte enthaltende Beiheft zu schauen:
Klavier und Slideguitar am Anfang, Gudruns Gesang, erinnernd
an Tamalin, Chorgesang, erinnernd an Clannad, dann eine Fiddle, schräg gespielt
wie im Bluegrass. Nicht das, was ich mit einem Seefahrtslied verbinde, eher mit
Country, aber wunderschön, durch und durch gehend. Letztlich ein Liebeslied mit
dem Titel der CD. Perfekter Opener, dem dann ein flotter Reel folgt, der aber
keiner bleibt, sondern in ein langsames, verträumtes Klavierstück mit etwas
Flöte dabei mündet, als finde man sich nach einem stürmischen Start in einer
ganz anderen Gegend wieder als erwartet, woraus dann doch wieder ein
fröhlicheres, etwas vorsichtiger vorwärtstreibendes und langsam mutiger
werdendes Stück wird: Northbound. Ja, ich hab‘s: Enthusiasmus am Anfang der
Nordlandfahrt, dann ein Wundern über Eisschollen und eine weite weiße,
glitzernde Landschaft, dann vorsichtiges Ausprobieren, ob das Eis wohl trägt
und am Schluss ausgelassenes Herumtoben im Schnee. So funktioniert
Programmmusik, wenn man die Phantasie frei lässt. Dabei wird es sogar etwas
barock. Wie ein verträumter Musicalsong klingt „Better days“ mit der feinen
Stimme Kims. Dann der klare Klang der Uilleann Pipes, kurz wie eine Air
beginnend, dann in einen Jig übergehend, mit Gitarre und Klavier dabei,
Klavierzwischenspiel, wieder mit Slideguitar, Geige übernimmt, Bodhrán setzt
ein, Pipes auch wieder, Klavier dabei mit einem Basso continuo, rauf auf und
runter von den „Sunny Hills“. Die Ballade von „Lord Bateman“, eine gesungene
Geschichte, mit dramatischem Zwischenspiel der Pipes und anderer Instrumente.
„Celine’s“ beginnt wirklich als Air aus Pipe und Fiddle, dann Klavier, woraus
ein Jig auf der Whistle wird, den Pipes und Fiddle übernehmen. Sehnsucht nach
der Geliebten drückt Kim Edgar mit dem schottischen Lied „Where sleepest though“.
Teilweise erinnert die Melodie an „Auld Lang Syne“ und geht dann in einen
schönen Slow Waltz auf Pipes und Fiddle über. Dass Pipes auch zum Southern
Country Rock passen, beweist „Jimmy’s”. Oder was ist das für ein Genre? Ah,
letztlich reelt „Jimmy’s“ davon. „The Sinking Ship“ ist wieder ein Lied, ein
wenig fröhlich für so eine Situation, etwas an die Feuersteins erinnernd. Einen
Hauch von Ragtime haben die „Tucholsky Reels“. Damit kann man auf Schloss
Gripsholm abfeiern, aber auch anderswo. Und schließlich endet dieses Album mit
dem Abschiedslied „I will not say Goodbye“. Fazit: Ob das alles so stimmt, was
ich da schrieb, weiß ich nicht, aber ich habe Spaß an diesem Album und meine
gar, es ist das beste Cara-Album bisher, gleichauf mit den Besten von Beoga,
Solas, Gráda und wie sie alle heißen, die Spitzenbands des Irish Folk &
Trad.
Auch sehr ansprechend ist das Beiheft mit sehr kunstvoll
designten Fotos, Hintergrundinfos zu den Stücken und allen Texten, allerdings
alles, auch die Infos, auf Englisch.
Ich bin gespannt, was Johannes Schiefner dazu schreibt in
seiner Rezension im folker!
